Mächtig gewaltig: Dänen haben einen Plan für Europa
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- Erstellt am Samstag, 04. Februar 2012 22:35
- Geschrieben von Martin Schramme
Dänischer Botschafter erklärt Vorhaben für Ratspräsidentschaft – Neues Egon-Olsen-Werk auf Buchmesse
HALLE. Handball-Europameister und Dschungelkönigin – den kampfstarken Dänen gehören in diesen Tagen wieder viele Sympathien. Doch wo Sportler und Schauspieler gute Vorarbeit geleistet haben, geht es für die Politiker um alles oder nichts. Seit 1. Januar hat Dänemark die Ratspräsidentschaft der Europäischen Union (EU). Die Aufgaben und Erwartungen sind gewaltig.
Per Poulsen-Hansen, Botschafter des Königreichs Dänemark in Deutschland, sprach nun aus diesem Anlass in Halle vor Vertretern der Wirtschaft über die Präsidentschaftspläne der Dänen. Außerdem stellte er sich den Fragen, die unter anderem die Erhöhung der dänischen Kapitalertragssteuer, das Unbehagen über die amerikanischen Rating-Agenturen ohne europäisches Gegengewicht, die EU-Finanzhilfen und die Nicht-Mitgliedschaft Dänemarks in der Euro-Zone betrafen.
Das Volk zu EU-Fragen abstimmen zu lassen, hat Tradition in Dänemark, sagte der Botschafter. Inzwischen seien 60 Prozent der Dänen gegen den Euro. Die Regionalfonds seien ein schwieriges Thema. Dänemark wolle das moderieren. Wie eine sozialdemokratische Minderheitsregierung Steuern behandelt, überließ der Botschafter – ganz diplomatisch – der Fantasie des Publikums.
„Es gibt sehr viel zu tun“, charakterisierte Poulsen-Hansen die aktuelle Situation in Europa. „Wir wollen ein verlässliches, dynamisches, grünes und sicheres Europa.“ Das sei das Programm der Dänen im Trio mit Polen und Zypern. In der Schuldenkrise Europas und der Krise mit dem Iran wolle Dänemark Brücken bauen. Man müsse sich gemeinsam aus der Krise herausarbeiten. An der Spitze des Rates habe sich Dänemark bereits bewiesen, zuletzt 2002 mit der EU-Osterweiterung. Jede Erweiterung der EU (27 Länder) bedeute mehr Frieden. Der Botschafter betonte die Bedeutung des Handels und nannte die Welthandelsorganisation ein „Bollwerk“ gegen Abschottung.
Deutschland sei Dänemarks größter Handelspartner und ein guter Nachbar. Auf die emotionale Verbindung der Ostdeutschen angesprochen, die sich auf den Erfolg des dänischen 14-Teilers „Die Olsenbande“ gründet, bekannte sich der Botschafter auch als Fan der Serie. Der Film sei auch in Dänemark bis heute populär. Am 17. März kommt Morten Grunwald („Benny“), der letzte Überlebende der Hauptdarsteller, nach Leipzig und stellt das Buch „Mächtig gewaltig, Egon. Die Biografie von Ove Sprogøe“ (ISBN 978-3-360-02135-9) auf der Buchmesse und in der Buchhandlung „Ludwig“ vor. Im März hat auch der Mitteldeutsche Rundfunk die Olsenbande eingeplant, unter anderem am 16. März in der Talkshow „Riverboat“.
Dänemark hat zum siebenten Mal die halbjährige EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Das erste Mal kamen die Dänen 1973 zum Zuge. Jetzt hat also Helle Thorning-Schmidt die Führung übernommen. Erst im Oktober 2011 ist die Sozialdemokratin zur Ministerpräsidentin Dänemarks gewählt worden. Mit der EU ist sie lange verbunden: Sie ist Absolventin des Collège d‘Europe in Brügge (Belgien), war Sekretariatsleiterin, später Abgeordnete in Brüssel und ist Mitbegründerin der Denkfabrik „European Council on Foreign Relations“.
Per Poulsen-Hansen (65) hat Jura und Russisch studiert. Er ist jetzt Botschafter in Berlin und war in dieser Rolle zuvor in Moskau, London und Prag tätig. Mit Ausnahme von Schleswig-Holstein, wo eine dänische Minderheit lebt, war er bisher häufiger in Ost- als in Westdeutschland unterwegs. Nun kündigen sich weitere Reisen nach Mitteldeutschland an, wo in diesem Jahr „800 Jahre Anhalt“ gefeiert werden und wo mit der Lutherdekade bis 2017 die Reformation auf der Agenda steht. Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Detlef Gürth, zugleich Präsident des Vereins „Europäische Bewegung Sachsen-Anhalt“, hat alle Dänen eingeladen, auch mit dem Verweis auf Anna von Dänemark (1532–1585), die sich mit der Anlage der Dresdener Hof-apotheke verdient gemacht hat.




