Not muss man beim „SiMi“ nicht nachweisen
- Details
- Erstellt am Samstag, 11. Februar 2012 19:07
- Geschrieben von Gabriele Bräunig
Silberhöher Mittagstisch versorgt seit 2005 Bedürftige – Fast 40.000 warme Mahlzeiten
HALLE. Seit Juli 2005 bietet der Silberhöher Mittagstisch in Halle zweimal pro Woche ein preiswertes und vollwertiges Mittagessen für bedürftige Menschen an. Und: „Bei uns muss niemand per Arbeitslosengeld II- oder Renten-Bescheid nachweisen, dass er arm ist; das wäre erniedrigend“, sagt Hans-Jürgen Schiller von der Bürgerinitiative Silberhöhe, der den Mittagstisch leitet.
„Wer Hunger hat, kann zu uns kommen“, lautet die kompromisslose Aufforderung Schillers an alle Notleidenden. 40 bis 80 Menschen besuchen jeden Dienstag und Donnerstag ab 11.30 Uhr den Mittagstisch im Familienzentrum „Schöpfkelle“ auf der Silberhöhe. Vorwiegend finden sich alleinstehende Männer, aber gleichfalls ältere Ehepaare und alleinstehende Frauen hier ein. Im Stadtteil, so Hans-Jürgen Schiller, gebe es den größten Anteil an Arbeitslosen sowie Single-Haushalten der Stadt.
Der SiMi, wie die Teilnehmer liebevoll zu ihrem Mittagstisch sagen, wird ehrenamtlich geführt. Von Anfang an dabei sind neben dem Leiter unter anderem Heike Holke sowie Jens Kindl. Sechs Frauen und Männer im Alter zwischen 35 und 60 Jahren, selbst arbeitslos, engagieren sich hier. Und das nicht nur während der vier Stunden Essensausgabe pro Woche. Sie überwachen die Finanzen, erstellen die Essenspläne, kaufen preiswert ein und bereiten die Mahlzeiten zu, waschen ab, halten die Räumlichkeiten sauber – eben alles, was zur Organisation eines solchen Mittagstisches nötig ist.
Das Angebot an Hausmannskost für die Nutzer des SiMi ist abwechslungsreich; es stehen jedes Mal vier Gerichte zum Preis von 1,50 Euro zur Auswahl. Manchmal kann eine Vorsuppe, ein Dessert oder ein Stück Kuchen als Nachtisch gereicht werden. Möglich macht dies ein Spendenkonto. Doch die Einnahmen und Ausgaben für die frisch zubereiteten Mahlzeiten, so Hans-Jürgen Schiller, halten sich in etwa die Waage. Man ist froh, wenn ab und zu Lebensmittel kostenlos durch einen Silberhöher Einkaufsmarkt zur Verfügung gestellt werden. Andere Spenden gab es auch schon, zum Beispiel für die hochwertige Küche. Hin und wieder müssen jedoch zusätzliche Dinge wie Gewürze, Reinigungsmittel oder Küchenutensilien aus dem eigenen Portmonee beglichen werden.
Die Mitarbeiter des Silberhöher Mittagstisches mussten schon so manches Mal um den Fortbestand ihres Angebots bangen. Bisher geben sie trotzdem nicht auf: Um ihrem Leben einen Sinn, ihrem Alltag eine Struktur zu geben, etwas Nützliches zu tun. Deshalb sind sie auch stets zur Stelle, wenn Unterstützung bei Stadtteilfesten und anderen Höhepunkten im Quartier gefragt ist. „Unsere Frauen und Männer wollen mit ihrer Tätigkeit anderen eine Freude bereiten und sich selbst“, ergänzt Schiller. Denn hier wird nicht nur gearbeitet. Das gemeinsame Schwatzen und private Probleme lösen tut allen immer wieder gut.
Per 31. Januar sind – seit Juli 2005 – beim Silberhöher Mittagstisch übrigens in 96.903 Stunden ehrenamtlicher Arbeit 37.652 warme Mahlzeiten an Bedürftige ausgegeben worden.




