Stadt prüft Pläne für Wittekind
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- Erstellt am Samstag, 28. Januar 2012 21:56
- Geschrieben von Martin Schramme
Drei Bewerber um historisches Solbad – Lösungen gesucht für Denkmalschutzobjekt
HALLE. Trauerspiel Wittekind: Das Badehaus hat keine Fenster mehr, das Gesellschaftshaus ist eine Ruine, der Park verwildert. Jetzt gibt es den wohl letzten Anlauf für die Rettung des ehemaligen Solbades: Die Stadt Halle, seit 2009 unfreiwillig erneut Eigentümerin des denkmalgeschützten Ensembles, hat das Objekt 2011 ausgeschrieben. Nach SN-Informationen gab es fünf Interessenten, von denen drei noch im Rennen sind. Wer den Zuschlag bekommt, ist offen.
„Es werden zur Zeit mit allen Bewerbern Gespräche geführt“, erklärte Halles Wirtschaftsdezernent Wolfram Neumann gegenüber SN. Mit ihnen werde erörtert, inwieweit ihre Vorstellungen umzusetzen seien. Bis Ende März werde die Stadtverwaltung den Gremien, die entscheiden, einen Vorschlag vorlegen. Bis Ende 2011 war das bereits versprochen.
Zwei der fünf Bewerber sind SN namentlich bekannt. Einer von ihnen hat schon mehrere bedeutende Denkmalobjekte in Halle erworben und saniert. Auf telefonische Anfrage bat er jedoch darum, seinen Namen nicht zu nennen. Die Sache sei zu heiß. Warum sie heiß ist, wissen Kenner des Objekts: Beim 2007 gescheiterten, bisher letzten Anlauf, das Wittekindbad zu reanimieren, hatte das Kindermuseum Halle in das Gesellschaftshaus ziehen wollen. Doch das Gebäude war in einem sehr schlechten Zustand. Schon 1994 hatte ein privater Investor es durch eine Kopie ersetzt wollen. Trotzdem ließ sich das Land überzeugen, das Sanierungsvorhaben mit zu finanzieren. Nach SN-Informationen handelt es sich um Fördermittel, die zurückgegeben werden müssten, wenn das Gesellschaftshaus abgerissen würde. Nach der insolvenzbedingt abgebrochenen Sanierung und weiteren Jahren des Leerstandes und Verfalls hält das Gebäude jedoch allen Wirtschaftlichkeitsberechnungen privater Investoren nicht mehr stand. Wie die Stadt Halle und die potenziellen neuen Bauherren aus dieser Bredouille kommen wollen, sagt keiner der Beteiligten offen, denn es geht um alles oder nichts.
Lutz Rademacher ist der zweite Interessent. Er hat bereits eine Absage bekommen. Für ihn ist die Sache abgehakt, doch äußert er sich offen dazu, wie er die Immobilie angefasst hätte. Der Projektentwickler und Alleinunternehmer ist seit 1982 in Halle. Seit zwei Jahren ist er am einst als „Russisches Sool-Dampfbad“ gestarteten Objekt dran. „Kolonnaden, Badehaus und Garten sind für mich die prägenden Elemente.“ Er hätte sie erhalten und das 15.000 Quadratmeter große Areal zum Bergzoo hin öffnen wollen. Das ist einer von ihm betreuten Bachelorarbeit an der Staatlichen Studienakademie Leipzig zu entnehmen. Demnach hätte Rademacher die in den 1920er Jahren unter Stadtbaurat Wilhelm Jost errichteten Gebäude saniert und an den Grundstücksgrenzen rechts und links Wohnungen und einen Kindergarten neu gebaut. Das Badehaus wäre ein Drei-Sterne-Hotel geworden mit bis zu 30 Zimmern, die von Künstlern aus Halle gestaltet worden wären. Das frühere Verwaltungsgebäude hatte er als Familienzentrum geplant. Er wäre ohne öffentliche Mittel ausgekommen, sagt Rademacher, weil er beim Bau etappenweise vorgegangen wäre.


