Berlin dankt „Wetteranin“

Phänologische Beobachterin Reingard Schöne hat Post vom Bundespräsidialamt

NIEMBERG. Die Schneeglöckchen blühten fast im Januar, doch dann kamen Schnee und Kälte. So muss sich Reingard Schöne dieses Jahr noch etwas gedulden, bis sie die Blüte notieren kann. Seit 1968 ist sie phänologische Beobachterin und notiert den Pflanzenwuchs im Jahresverlauf. Dafür bekam sie nun Post aus dem Bundespräsidialamt.

Es ist Dienstagabend. Mit der „Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ und einem Blumenstrauß rücken Wetterdienstmann Jurik Müller und Ortsbürgermeister Christian Kupski bei der Niembergerin an. Müller gibt ein Exemplar seines 2011 erschienenen Buches „100 Bauernregeln, die wirklich stimmen“ als persönliche Beigabe dazu.
„Es macht doch auch Freude, die Natur genau zu beobachten“, findet die Geehrte eine einfache Begründung für ihr Tun. Dann kommt heraus, ihr naturbegeisterter Mann Wolfgang hat sie auf die Schiene brachte. Denn als sie gefragt wurde, ob sie die phänologischen Beobachtungen eines Gemeindemitglieds fortsetzen könnte, ermunterte der Lehrer für Deutsch und Musik seine angetraute Grundschullehrerin, dass sie so die Natur kennenlernen könnte. Frau Schöne ist inzwischen pensioniert. Aufhören? Auf keinen Fall. Im Flur hängt ein Plan mit ausgewählten Wildpflanzen, Forst- und Ziergehölzen vom Beifuß bis zum Zweigriffligen Weißdorn und Obstgewächse vom Apfel bis zur Süßkirsche. Austrieb, Blattwuchs, Blüte, Blattfärbung - alles wird notiert bei regelmäßigen Spaziergängen in und um Niemberg. In sechs Jahren wären es 50 Jahre Ehrenamt. Dann wäre wieder eine Urkunde fällig; für 25 Jahre gab es 1993 eine Wetterdienstplakette.
Bundesweit gibt es rund 1320 phänologische Beobachter, sagt Jurik Müller. In Sachsen-Anhalt seien es 52. Aber was will der Deutsche Wetterdienst mit den Daten? Er benötigt sie, um die Entwicklung des Klimas zu beurteilen, um agrarmeteorologische Modelle zum Beispiel zum Wasser- und Wärmehaushalt zu erstellen, um Waldbrandwarnstufen festlegen und um Empfehlungen für die Bestellung der Felder sowie die Schädlingsbekämpfung geben zu können, erläutert Müller. Wichtig seien die Daten auch für Bienenzüchter, Forstarbeiter und Vogelkundler.