Stadt Halle will Grundschulen übernehmen
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- Erstellt am Samstag, 18. Februar 2012 21:32
- Geschrieben von Martin Schramme
Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados verweist auf Kommunalmodell in Finnland
HALLE. „Die Stadt Halle übernimmt alle Grundschullehrer“ - Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados sähe gern diese Schlagzeile. Halles Partnerstadt in Finnland nennt sie als Vorbild, doch mit dem Anliegen, die Grundschulen in die Regie der Stadt zu überführen, sieht sie sich noch alleine.
Im Vier-Augen-Gespräch mit SN erklärte sie, dass andere vor der Idee zurückschrecken würden, weil das Land gerne Aufgaben verteile, ohne das Geld dazu zu geben. Szabados hält indes daran fest, Grundschulen in die Hand der Stadt überführen zu wollen. Im Zuge der Pisa-Studie sei Finnland positiv aufgefallen und dort lägen die Kindergärten und Grundschulen komplett in der Hand der Kommunen. Erzieher und Lehrer seien Bedienstete der Gemeinde.
Hierzulande ist die Stadt im Falle der Schulen nur für die Gebäude, nicht aber für den Unterricht und damit für die Lehrer zuständig. Die sähe Szabados gerne bei der Stadtverwaltung. Das sei bereits heute im Rahmen der Gesetze möglich. Tatsächlich steht im Paragraph 2 Absatz 2 des Schulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, dass Träger Öffentlicher Schulen „die Landkreise, die Gemeinden oder das Land“ sind.
In der Stadt Halle gibt es derzeit 32 kommunale Grundschulen sowie fünf Grundschulen in freien Trägerschaften. Im laufenden Schuljahr 2011/12 besuchen insgesamt 6701 Schülerinnen und Schüler eine Grundschule. Davon lernen 6023 Kinder und Jugendliche in den kommunalen Schulen und 678 in den freien Schulen.
Mit den Verhältnissen in Finnland kennt sich Anke Michler-Janhunen, Bundespressereferentin der Deutsch-Finnische Gesellschaft, bestens aus. SN kontaktierte sie in Turku (Finnland). „Es gibt in Finnland eine allgemeinbildende Schule von der 1. bis zur 9. Klasse. Für die Schule ist allein die Kommune zuständig. Sie entscheidet auch über Lehrerstellen. Die Lehrer sind bei der Schule angestellt und werden von ihr bezahlt.“ Jede Schule habe ihr eigenes Budget, das sie von der Kommune bekomme und die stehe mit Kommunalsteuern zwischen 15 und 21 Prozent besser da als die Gemeinden in Deutschland. Von dem Geld bezahle sie Lehrer, kleinere Reparaturen und so weiter selbst. Für Sanierungen sei die Stadt zuständig. Der eigene Haushalt gebe der Schule Entscheidungsspielraum. Der Direktor der Partnerschule der Latina in Oulu, Harri Tuulos, habe einmal gesagt, dass die Schule selbst entscheiden kann, ob sie ein Klettergerüst für den Hof, Bücher oder ein Schulfest finanziert. Die Rahmenlehrpläne, die festlegen, was ein Schüler in einer bestimmten Klasse können muss, gebe der Staat vor. Über den Weg dorthin entscheide die Schule. Die Vorschule sei in Finnland Pflicht. Sie finde am Kindergarten oder in Schulen statt. Vorschule und Schule seien kostenlos, ebenso eine warme Mahlzeit pro Tag sowie alle Lehrbücher und Unterrichtsmittel.




