Keine Extras für Bosse
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- Erstellt am Samstag, 18. Februar 2012 21:19
- Geschrieben von Martin Schramme
Ulrich Wickert in Halle: Plädoyer für gelebte Wertegemeinschaft
HALLE. Der Freund der Stadt der Liebe kam am Tag der Liebe nach Halle und sprach im Zwiegespräch über sein Lieblingsthema – Werte. „Mister Tagesthemen“ Ulrich Wickert nahm Platz zum siebten Hallenser Gespräch in den Franckeschen Stiftungen.
Im ausverkauften Freylinghausen-Saal folgte das Publikum seinem Liebling mal andächtig, mal amüsiert. Felix Leibrock von der Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt befragte den 69-jährigen Weltreisenden, der als Sprachbewahrer und moralische Instanz gilt. Auf dessen dritte Ehe und seine Vaterschaft mit 69 kam er nicht zu sprechen. Dass Wickert ein wechselvolles Leben führt, wurde trotzdem deutlich. Denn bevor es zu den anstrengenderen Betrachtungen über Gesellschaft, Ethik und Moral kam, plauderte sich das Duo durch Lebensstationen und Episoden.
Wickerts Leben als Sohn eines Diplomaten begann 1942 in Tokio. Die damals hölzerne Hauptstadt Japans wurde kriegsbedingt unsicher, so dass die Familie aufs Land zog. Dort gab es einen zerfallenen Tempel, wo sich die Kinder Bretter holten, um Buden zu bauen. In Erinnerung geblieben ist auch der Fuji, „der schönste Berg der Welt, wie gemalt“. Später hieß die Heimat Heidelberg, dann Paris. Zwölf Stunden über Land ging die Reise von Deutschland in die Hauptstadt Frankreichs. Die Metropole an der Seine beeindruckte den Jugendlichen und so schrieb er über sie für die Kinderseite der Rhein-Neckar-Zeitung. Da wusste er noch gar nicht, was Journalismus ist. Ohnehin wollte er Diplomat werden. Also studierte er Jura, auch in den USA, weil sein Vater sie 1936 als großes Abenteuer erlebt hatte. Wickert lernte Russisch, weil er die Sprache nützlich fand und man in den USA gut Fremdsprachen lernen konnte. Anders als in Deutschland. Er schloss das Jura-Studium ab, wollte aber die Unfreiheit des Beamtentums meiden. Wegen der abgeschlossenen Ausbildung nicht mehr von seinem Vater finanziert, ging er zum Hessischen Rundfunk, wo er 1500 Mark bekam. „Ich war jetzt ein reicher Mann.“
„Kinder wissen sehr genau, was gerecht ist, doch das wird ihnen abtrainiert, damit sie ohne Panik leben können in einer ungerechten Welt“, hatte Wickert bereits erklärt, bevor er auf sein Lieblingsthema kam. Er verstehe sich als Humanist, nicht als Ideologe. Die Gesellschaft müsse sich Regeln geben und diese auch leben. „Jeder Mensch trägt Verantwortung: für sich und für die Gemeinschaft, in der er lebt.“ Niemand könne herausfallen aus dem Regelwert. „Ethik und Wirtschaft gehören zusammen“, so Wickert. Die Fürsprecher des freien Marktes verwiesen gerne auf den Philosophen Adam Smith, um ungezügeltes Wirtschaften zu rechtfertigen. Doch er habe in einem Buch über Moral („Theorie der moralischen Gefühle“) auch geschrieben, dass ein Arbeiter vom Lohn seine Familie ernähren können muss.
Wickert befürwortet den Mindestlohn. Durch eine Frage aus dem Publikum angeregt bejahte er auch, die inzwischen maßlosen Gehälter in den Führungsetagen zu begrenzen. Doch zum Beispiel der Autorin von „Harry Potter“ gönne er den Reichtum, denn er sei der Lohn ihrer Arbeit.
Spekulationen ohne realwirtschaftlichen Nutzen und mit dem Geld und zum Schaden Anderer, müssten verboten werden. Es sei absurd, dass es Wetten auf Pleiten gebe. Verstöße gegen die ethischen Grundsätze dürften nicht mit dem Verweis durchgehen, dass sie der Wirtschaft gut täten.




