Auf Schätze neugierig machen

Bundesweiter Tag der Archive: „Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen“

HALLE. „Noch immer haftet Archiven der Ruf des Rätselhaften, Geheimnisvollen, aber auch des Verstaubten an.“, weiß Christiane von Nessen vom halleschen Stadtarchiv. Doch: „Heutige Archive haben mit solchen Anschauungen nichts mehr gemein. Sie sind moderne Dienstleistungseinrichtungen mit einem breiten Tätigkeitsspektrum geworden.“, so die Stadtarchiv-Dokumentation-Teamleiterin weiter.

Um darauf auch die Blicke der interessierten Öffentlichkeit in Halle zu lenken, haben sich die in der Saalestadt ansässigen neun Archive zusammengetan – und präsentieren sich erstmals gemeinsam beim bundesweiten „Tag der Archive“ am 3. März von 10 bis 18 Uhr im Stadtarchiv Halle (Rathausstraße 1).
Nun schon zum sechsten Mal organisiert der Verband deutscher Archivarinnen und Archivare (VdA) als Fach- und Berufsverband im Zwei-Jahresabstand den „Tag der Archive“, um dadurch „eine stärkere Beachtung der archivischen Anliegen in der Öffentlichkeit und eine verbesserte gesellschaftliche Akzeptanz der Archive“ zu erreichen. Die Archive als Stätten der Kultur und Wissenschaft zielen dabei laut VdA darauf ab, „die Sicherung und Bewahrung des archivalischen Erbes als Kulturgut für die Erforschung der Vergangenheit und für das Verständnis der Gegenwart als ihre gesamtstaatliche Aufgabe und Verpflichtung im öffentlichen Bewusstsein stärker zu verankern“.
In diesem Jahr steht der bundesweite Archive-Tag unter dem spannenden Motto „Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen“. Hunderte Archive aller Fachsparten wollen sich dabei am 3. und/oder 4. März mit vielfältigen Programmen, Führungen, Ausstellungen und Aktionen präsentieren.
Auch in der Stadt Halle haben die hier ansässigen Archive, die der Unkundige teilweise auf den ersten Blick gar nicht als Archiv (er)kennt und wahrnimmt, eine Fülle von Schätzen zu bieten. Und manche sind sogar selbst ein Schatz, wie das älteste Akademie-Archiv der Welt. Doch nicht in jedem Fall sind die räumlichen Möglichkeiten für solch einen Besucherverkehr geeignet, den beispielsweise ein Tag der offenen Tür mit sich bringen würde. So ist bei den regelmäßigen Archiv-Stammtischen in Halle die Idee entstanden, sich gemeinsam an einem geeigneten Ort vorzustellen, um auf die reiche regionale Archivlandschaft sowie die Schätze in ihren Häusern aufmerksam und neugierig zugleich zu machen. Dies soll nun zur Premiere am 3. März in Halles Stadtarchiv geschehen. Mit dabei sind dann: Archiv der Martin-Luther-Universität, Archiv des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen, Nationalakademie Leopoldina, Stiftung Händel-Haus, Archiv der Kunsthochschule Burg Giebichenstein, Archiv der Franckeschen Stiftungen, Archiv des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, Marienbibliothek sowie gewissermaßen als Gastgeber das Stadtarchiv.
Darüber hinaus wollen die Franckeschen Stiftungen und die Leopoldina noch ein zusätzliches Angebot vor Ort organisieren.
Und auf was können sich die interessierten Besucher am 3. März im Stadtarchiv freuen? Christiane von Nessen gibt schon mal einen kleinen Vorgeschmack: „Eine Arbeitsgruppe unter Mitwirkung aller beteiligten Archive hat ein vielfältiges Programm zusammengestellt. Neben stündlichen Führungen durch das Stadtarchiv kann man sich im Lesesaal anhand einer kleinen Rahmenausstellung einen Überblick über die reiche hallesche Archivlandschaft verschaffen und mit den anwesenden Vertretern ins Gespräch kommen. Vorort zeigt außerdem das Archiv des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen eine kleine Schau unter dem Thema „Ermittlungen der Stasi zu Katastrophen in Halle und Umgebung“. Die Ausstellung zeigt anhand verschiedener Themen, mit welcher Art von Katastrophen sich die Stasi in Halle beschäftigte und wie sie ihre Untersuchungen durchführte. Passend zum Vortrag der Forschungsgruppe ‚Händel zwischen Hakenkreuz und Rotem Stern‘ des Händel-Hauses zeigt das Archiv der Stiftung Händel-Haus die Originalquellen ihrer Untersuchung. Das Archiv des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie widmet sich in einer kleinen Tafelschau dem Thema Feuer, Wasser, Krieg und andere Katastrophen, umgesetzt in der Schlacht von Lützen, den Gräbern von Eulau und zum Brand des Magdeburger Doms im Jahr 1207. Kostbarkeiten aus den Magazinräumen präsentieren auch das Archiv der Martin-Luther-Universität und die Marienbibliothek.“
Des Weiteren soll es im Zweistunden-Abstand Vorträge und Filmvorführungen geben. So soll auch der Film „Die Buchretter von Weimar“ über die Rettung der Bücherschätze nach dem  Brand der Anna Amalia Bibliothek im September 2004 gezeigt werden.